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uferland_der_wakenitz

Uferland der Wakenitz

Auch ein schmaler Uferstreifen vom Ratzeburger See (Rothenhusen) bis Huntenhorst der größtenteils auf der östlichen Seite der Wakenitz liegt, und teilweise 100 und mehr Meter breit ist, wurde zu Schattin gehörig gezählt

1291 kaufte der Staat Lübeck die gesamte Wakenitz von der „Quelle“ bei Rothenhusen an der Nordspitze des großen Ratzeburger Sees bis zur Einmündung in die Trave - knapp südwestlich vom Bischofsdom auf der damaligen Altstadthalbinsel.

Daten:

Acker = 822 Quadratruten
Wiesen = 6566 Quadratruten
Wälle, Knicks und Rohrland (Schilfinseln) = 7005 Quadratruten
total des Areals = 14 393 Quadratruten

- Nach lübschem Maß ist eine Rute = 21,18 Meter lang.

Dieses Land ist als Lübecker Domäne an die Wakenitz-Fischer verpachtet.

Die Horstsiedlungen sind seit 1759 bezeugt.

1933 begann ein regelrechter Bauboom zu beiden Seiten der Wakenitz. Dutzende kleiner Wochenendhäuschen schossen aus dem Boden.

Rothenhusen

gehörte bis zum 31. März 1937 zu Schattin.

Rothenhusen liegt auf einer kleinen Insel, die beim Entstehen der Wakenitz aus dem Ratzeburger See durch 2 Einflüsse, welche sich in geringer Entfernung wieder vereinigen, gebildet wurde.

Im Jahre 1274 kaufte Bertram Mornwech (er war der Stifter des Heiligen-Geist-Hospitals) diese Insel vom Herzog Johann I. von Sachsen Lauenburg für 280 Mark lüb. Pf. 1419 cedirte J. Mornwech sie dem Rathe zu Lübeck mit der so genannten Wehre. Diese befestigte Anlage (Bollwerk) an der Nordspitze des Ratzeburger Sees sollte die Einfahrt in die Wakenitz schützen und kontrollieren. Offenbar wurden auch Zollgebühren erhoben.

1290 hatte die Republik Lübeck die Wakenitz mitsamt ihren Überschwemmungsgebieten als Staatseigentum käuflich erworben. Schon frühzeitig wurde unmittelbar südlich von Groß Grönau eine Westostverbindung geschaffen. Ein Prahm (flachbodiger, kastenförmiger, offener Kahn zur Beförderung von Lasten) diente als Fähre über den Fluss. Sonntags benutzten die Menschen aus Schattin und Lenschow die Fähre, um die Gottesdienste in ihrer (!) Grönauer Willehadkirche zu besuchen. Diese Verbindung war außerdem der Totenweg für alle verstorbenen Schattiner und Lenschower zum Gottesacker in Grönau.

Der Freistaat Lübeck ließ frühzeitig ein Wohnhaus für den Fährmann bauen, der Pacht zahlen musste, aber auch Landwirtschaft betreiben durfte und ein Schankrecht erhielt.

1595 war hier ein Blockhaus - „Zwing den Schalk“ genannt - erbaut, welches man später wieder demolierte (demontierte). Wahrscheinlich lag dieses Blockhaus an dem westlichen Einfluss, ungefähr 1000 Fuß weiter in den See hinein; man sieht noch gegenwärtig das Pfahlwerk und ein steinernes Fundament – etwa 4 Fuß unter der Oberfläche des Wassers – worauf es gestanden haben muss.

Seit 1668 sind zwei ständige Bewohner nachgewiesen, die die Einfahrt des 14 km langen Flusses gegen Schmugler, Fischdiebe und unerlaubte Transporte zu sichern hatten. Außerdem verrichteten die „Wächter“ nebenbei Fährdienste.

Daten:

Lübecker Domäne
außerhalb der Landwehr
Landwehrbezirk Burgtor
Kirchspiel = Groß Grönau
Areal: bebaute Stelle und Garten = 711 Quadratruten
1815 = 8 Einwohner
1822 = 8 Einwohner
1851 = 4 Einwohner
1851 = verpachtet: 1 Zeitpächter
1 Wohn- und 1 Wirtschaftsgebäude
1 Haushaltung
1 Fährmann
schulpflichtig in Groß Grönau
4 Stück Rindvieh, 2 Schweine, 6 Stück Federvieh

In Rothenhusen stand früher ein Grenzposten. Die lübeckischen Bürger besitzen hier einen Stapelplatz für Holz (Hude).

1870 war die Zahl der Fischer zurückgegangen, da das Befischen des Sees aufgegeben werden musste.

Mitten im ersten Weltkrieg brannte am 27. Dezember 1916 morgens gegen 6 Uhr auf ungeklärte Weise das Fährhaus bis auf die Ringmauern nieder. Im Saal der Gastwirtschaft war Feuer ausgebrochen. Im Stall verbrannten eine Kuh und sechzehn Hühner. Die Fährfrau, deren Schwester, Kinder und Knecht konnten gerettet werden. Fährmann Johannes Berkenthien lag zu diesem Zeitpunkt als Soldat im lübschen Burgtorlazarett. Nach einer schweren Verwundung an der Front hatte man ihm den linken Arm bis an die Schulter amputieren müssen.

Eine dreimal vier Meter große Fährbude diente mehrere Jahre als Ersatzunterkunft. Erstmals wurde ein Brückenbau erwogen, aber noch nicht ausgeführt.

1921 gelang es dem Lübecker Segler-Verein auf dem Ostufer bei Rothenhusen ein fast 1500 Quadratmeter großes Gelände zu pachten. Eigentlich sollte hier ein Unterkunftshaus für alle Vereinsangehörigen entstehen; doch die Inflation in den Anfangsjahren der Weimarer Republik (1919- 1933) machte solche Pläne zunichte. Der Uferstreifen wurde in Parzellen aufgeteilt. Einzelne Segler durften sich hier eigene Wochenendhäuser errichten. Ein Jahr später konnte man 1590 Quadratmeter hinzupachten. Die im Laufe der Zeit dort entstandenen 46 Häuschen mitsamt einer zentralen Unterkunft für seglerischen Nachwuchs gingen durch die Zonengrenzziehung im Juli 1945 verloren.
Fährhaus Rothenhusen (1999)

Als 1927 die Wakenitzfähre bei Nädlershorst und bei Rothenhusen eingestellt und an ihrer statt Holzbrücken errichtet wurden, mussten die Segler langwierige Verhandlungen mit dem Baupolizeiamt des Landes Lübeck führen, bis es ihnen gelang, dass eine für ihre Boote angemessene Durchfahrtshöhe berücksichtigt wurde.

1. Juli 1945. Die östlichen Auffahrtrampen der Wakenitzbrücken bei Nädlershorst und Rothenhusen wurden von den Sowjets beseitigt, um Grenzüberschreitungen zu erschweren. Die Wakenitz selbst und der See verblieben im britischen Zuständigkeitsbereich.

Nädlershorst

gehörte bis zum 31. März 1937 zu Schattin.

Die frühere Fährstelle über die Wakenitz erhielt ihren Namen nach einem hier wohnenden Nadelmacher, der ab 1702 zugleich als Fährmann tätig war. Im 20. Jahrhundert wurde eine Gastwirtschaft eingerichtet.

Zur Zeit der Weimarer Republik (1919 - 1933) ließ das Land Lübeck eine hölzerne Wakenitzbrücke bauen, um eine direkte Verbindung von der Ratzeburger Landstraße südlich von Groß Grönau zum lübschen Dorf Schattin zu sichern. Etwa Pfingsten 1952 wurde die Brückenrampe auf der Ostseite des Flusses westlich von Lenschow beseitigt und durch Wegsperren verbarrikadiert, und es entstanden auch hier tiefgestaffelte Grenzsicherungsanlagen der Nationalen Volksarmee der DDR. In den siebziger Jahren wurde die Brücke in aller Stille auf Anordnung bundesdeutscher Behörden abgerissen. Erst im August 2008 entstand hier eine neue sehr schöne Brücke, jetzt wurde es allerdings nur eine Fußgängerbrücke.

Hier war seit alters die Fährstelle, die der Staat Lübeck verpachtete. So war 1702 der Fährmann zufällig ein Nadelmacher, der Namensgeber dieses Horstes. Ein Brückenbau war (1926) in Vorbereitung, um das Dorf Schattin aus seiner Isolierung zu befreien.

1890 wurde eine an einer Kette geführte Wagenfähre eingerichtet.

Am 1. Juli 1923 ging bei der Baubehörde der Freien und Hansestadt Lübeck vom Maler A. Klafür, wohnhaft in Fünfhausen 9/7 in Lübeck, ein „Gesuch auf widerrufliche Genehmigung zur Aufstellung einer 2,5 mal 2,2 Meter großen Gartenbude auf dem Lösch- und Ladeplatz“ von Nädlershorst ein. Der Pächter sei einverstanden, hieß es, und Oberbaurat Neufeld legte eine Befürwortung bei. - Dies war das erste Schriftstück in Sachen Wochenendhaussiedlung bei Nädlershorst gewesen.

Im Jahre 1926 wurde für 22 000 Mark eine 25 Meter lange und 5,70 Meter breite Brücke aus Eichenholz gebaut. Über 80 Meter lange Rampen - „mit geschlagenen Steinen gepflastert“ - konnte der rege Verkehr auf den beiderseits ans Ufer führenden „Kiesschauseen“ den Übergang erreichen.

In Nädlershorst krögerten nacheinander die Wirte Rieckhoff, Fritz, Vollert, Wilms und Studt. Danach hatte bis 1930 der spätere Wirt von Rothenhusen, Johs. Berkentien, die Bewirtschaftung der Nädlershorster Gaststätte, an seine Stelle trat Ernst Flohr.

Als ab 1. April 1937 zur Hitlerzeit das Großhamburggesetz dem preußischen Lauenburgkreis zu eindrucksvoller Arrondierung verhalf, gehörten die Nädlershorster Fluren zur 125 Einwohner zählenden lübeckischen Landgemeinde Schattin im Burgtor-Landbezirk des Landes Lübeck. Kirchspiel und Post befanden sich in Groß Grönau, Schule und Standesamt in der lübeckischen Landgemeinde Utecht.

Pfingsten 1952 wurde die Brückenauffahrt auf der Ostseite abgerissen. Die eigentliche Brücke wurde erst in den 70er Jahren von der Bundesregierung abgebrochen.

Am 15. August 2008 wurde eine neue schöne Brücke feierlich eingeweiht. Diese Brücke ist jetzt schmaler und nur für Fußgänger, Radfahrer und Reiter zugelassen.

Nädlershorst – Gaststätte „Zum Fährhaus“ (1999) (Anfang 2003 abgerissen)
Inhaberin = Ilse Flohr

Nädlershorst um 1900
Gasthaus „Zum Fährhaus“ am Westufer der Wakenitz
Damaliger Inhaber war J. Berkenthien

Die neue Fußgängerbrücke, eingeweiht am 15. August 2008

Von den lauenburgischen Behörden wurde im Sommer 1994 allen Menschen in der Nädlershorster Wochenendhaussiedlung ihr formal 2000 auslaufender Nutzungsvertrag nicht wieder verlängert.

Bothenhorst

In einer Beschreibung aus dem Jahre 1856 wird erwähnt, dass sich der Name dieses Fischerhorstes an der Wakenitz von einem Arbeiter mit dem Namen Boot herleitet, der um 1761 dort gewohnt hat. Am 6. Juni 1928 um 8 25 Uhr wurde das von 2 Familien bewohnte Haus und das Stallgebäude durch ein Großfeuer vernichtet. Im Herbst 1938 wurde das etwas nördlich „schräg“ gegenüber von Nädlershorst gelegene Bothenhorst an Wilhelm Oldenburg verkauft. Als die DDR ihre Sperranlagen 1952 auf dem Ostufer der Wakenitz ausbaute, wurde Bothenhorst dem Erdboden gleichgemacht.

Daten:

Außerhalb der Landwehr - 1 3/8 Meilen von Lübeck
Landwehr-Bezirk Burgtor
Kirchspiel Groß Grönau im Herzogtum Lauenburg
Areal: bebaute Stelle und Garten = 130 Quadratruten
Privateigentum
1815 = 4 Einwohner
1851 = 13 Einwohner
2 Wohn- und 4 Wirtschaftsgebäude
4 Haushaltungen
3 Altenteiler
3 Arbeitsleute
Schulpflichtig in Groß Grönau
2 Kühe, 4 Schweine, 3 Ziegen, 2 Stück Federvieh

Stoffershorst

Daten:

Innerhalb der Landwehr
Landwehr-Bezirk Mühlentor
Kirchspiel Aegidien in Lübeck
Areal: 1 bebaute Stelle und Garten = 177 Quadratruten
Privateigentum
1815 = 4 Einwohner
1851 = 21 Einwohner
1 Wohn- und 1 Wirtschaftsgebäude
4 Haushaltungen
2 Schweine und 4 Ziegen

Bucksbude

Ein dicht südlich von Brunshorst gelegener Fischerhorst.

Brunshorst

Daten:

Außerhalb der Landwehr
Landwehr-Bezirk Mühlentor
Kirchspiel Aegidien in Lübeck
Areal: bebaute Stelle und Garten = 238 Quadratruten
Privateigentum
1815 = 4 Einwohner
1851 = 4 Einwohner
1 Wohn- und 1 Wirtschaftsgebäude
1 Haushaltung
1 Fischer
ist nicht schulpflichtig
1 Kuh, 1 Schwein

Der baumumstandene Fachwerkbau von Brunshorst war eine ehemalige Flintenbode.

Huntenhorst

Diese Horstsiedlung, deren Namen seit 1759 bezeugt ist, wird gleich dem ganzen langen östlichen Uferstreifen bis zum Ratzeburger See als zu Schattin gehörig gezählt.

Daten:

Landwehr-Bezirk Burgtor
Kirchspiel Aegidien in Lübeck
Areal: bebaute Stelle und Garten = 103 Quadratruten
Privateigentum
5 Einwohner
1 Wohn- und 1 Wirtschaftsgebäude
1 Haushaltung
1 Zimmermann
2 Kühe, 1 Schwein, 3 Bienenstöcke

Historischer Bau in Huntenhorst kurz vor dem Abbruch 1966. - Hier wohnte bis 1964 / 65 ein Schneider, der dann aus Altersgründen in eine moderne Bleibe nach Lübeck-Eichholz umzog. Die zuständige lübeckische Behörde ließ diesen Horst wissentlich verfallen. Die Tür wurde nicht abgeschlossen. Bald fanden sich Rabauken, die alles zerstörten. So verschwand der letzte Fischerhorst auf dem östlichen Wakenitzufer.


Horste

(Erklärungsversuch)

Im althochdeutschen = Dickicht. Im norddeutschen = Erhöhung im Sumpf. Geologie = eine durch Verwerfungen begrenzte Scholle, die im Vergleich zu den Nachbarschollen weniger sank oder gehoben wurde.

Das deutsche Wort „Horst“ hat sich aus dem lateinischen hortus = Garten, eingefriedetes Grundstück heraus-gebildet. Im altsächsischen erscheint es als hurst in der Bedeutung von Hürde. Damit ist ursprünglich eine von Buschwald und Gestrüpp umgebene freie und trockene Fläche gemeint, wie das bei den Horsten an der Wakenitz der Fall war und 1996 zum Teil noch ist.


Chronik Schattin
Schattin die Geschichte eines Dorfes
Das alte Rundlingsdorf Schattin

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